Maskenbefreiung ist ein Grundrecht für bestimmte behinderte Menschen

Fotomontage Maske vor Zugabteil„Sehr verehrte Damen und Herren, in unseren Zügen besteht eine Verpflichtung zur Mund-/Nasenbedeckung aber nicht jeder Fahrgast, der keine Mund-/Nasenbedeckung trägt ist ein Maskenverweigerer. Bitte nehmen Sie deshalb Rücksicht auf Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-/Nasenbedeckung tragen können.“
Diese Durchsage in den Zügen des Nah- und Fernverkehrs könnte das Verständnis für Menschen, die wegen ihrer Behinderungen keine Masken tragen können steigern. Stattdessen stoßen durch die regelmäßigen Durchsagen „Sehr verehrte Damen und Herren, in unseren Zügen besteht eine Verpflichtung zur Mund-/Nasenbedeckung.“ vermehrt Menschen auf Ablehnung, wenn sie gesundheits-/behinderungsbedingt von der Maskenpflicht befreit sind und deshalb keine Maske tragen können. Es ist sehr wichtig, dass die Reisenden in den Fahrzeugen des Nah- und Fernverkehr der von Eisenbahnverkehrsunternehmen darüber informiert wird, dass es Menschen gibt, die keine Masken tragen können und es deshalb auch nicht müssen.
Ausnahmeregelungen zur Maskenpflicht
Menschen mit Behinderungen müssen weiterhin am öffentlichen Leben teilhaben können und dürfen nicht ausgeschlossen werden. Hier geht es nicht um eine Aushebelung der Maskenpflicht, sondern um gesundheitlich notwendige Ausnahmen. Bei der Regelung der Maskenpflicht haben Landesregierungen ausdrücklich solche Ausnahmen formuliert, für die zur Glaubhaftmachung entweder ein Schwerbehindertenausweis oder eine ärztliche Bestätigung vorgesehen ist. Diese Regelung ist jedoch vielen nicht bekannt. Menschen mit Behinderungen erleben daher immer wieder unangenehme Situationen in den Zügen, wenn sie ohne Maske reisen oder wenn sie aus Selbstschutz welche tragen, sie aber zwischenzeitlich absetzen müssen. Auch Medizinerinnen und Mediziner sind die Regeln oft nicht bekannt und Menschen mit Behinderungen haben deshalb häufig Schwierigkeiten, ein Attest zu erhalten.
Ein verantwortungsvolle Lungenfachärztin oder ein verantwortungsvoller Lungenfacharzt würde übrigens Patientinnen und Patienten mit chronischer
Lungenfunktionseinschränkungen raten einen hohen Selbstschutz, wie FFP3 Maske mit Ventil in Menschenmengen zu tragen anstatt darauf zu verzichten.
Menschen mit Behinderungen ohne Maske die Fahrt mit den Bahnen zu verweigern, ist auch unter Hinweis auf das Hausrecht diskriminierend und grundsätzlich unangemessen, wenn sie dadurch mittels öffentlicher Mobilität vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.
Angemessenheit der Maskenpflicht
In einer Einschätzung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes heißt es, dass in der Tendenz eine ausnahmslose Durchsetzung der Maskenpflicht gegen die Angemessenheit spreche. Das Interesse der Fahrgäste mit Behinderungen sei gegenüber dem Infektionsschutz als grundsätzlich überwiegend zu bewerten.
Begegnen Sie Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keinen Mundschutz tragen können, mit erhöhter Rücksicht! Niemand darf benachteiligt werden, weil er die Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen nicht einhalten kann!
Fotomontage: UNgehindert

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